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Schöne Bescherung im HISTORICA Antiquariat

Ein Nachmittag mit Rocklegende Mike Demnitz

Mittwoch, 21 Dezember 2016 17:16
Mike Demnitz: In Erinnerung an bewegte Zeiten als Bassist bei Reform (1975-1978/1980-82) Mike Demnitz: In Erinnerung an bewegte Zeiten als Bassist bei Reform (1975-1978/1980-82) Quelle: Bert Wawrzinek

Dresden – Mike Demnitz ist ein Phänomen. 16 Bands hat der charismatische Bassist durchlaufen, darunter klangvolle Namen wie Electra, REFORM und MCB. Vergangenen Sonnabend, eine Woche vor Weihnachten, war er einen Nachmittag im Barockviertel zu Gast. Für die Besucher der Veranstaltung d i e Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen mitteldeutscher Rockgeschichte(n) zu schauen und bei Glühwein und Lebkuchen ein paar kräftige Demnitz‘sche Basswellen zu inhalieren.

Selbstredend hatte der Künstler seinen Fünfsaiter im Gepäck, und so schien die einleitende Fachsimpelei unter Musikanten über Spieltechniken und Equipment unvermeidlich. Bald war zu erfahren, was es mit dem „unbefristeten Republik-Spielverbot“ des Bassisten auf sich hatte und den spektakulären QUINTANAS von 1968, deren Sänger Stephan Trepte hieß, mit dem Demnitz später noch bei Electra und REFORM zusammenarbeiten sollte. 

Schmunzeln und Gelächter erzeugten Begebenheiten aus dem Wehrdienst des „Genossen Demnitz“ (bei der NVA war jeder Soldat prinzipiell „Genosse“), den der sportliche Rekrut (immerhin der Schnellste auf der Sturmbahn) unter anderem musizierend in einer Regimentsband verbringen durfte. Selbst das Geheimnis der exorbitanten Schlaghosen, die man damals vorzugsweise trug, konnte gelüftet werden. 

Spannend wurde es, als der frühere MCB-Manager Franzl Trommer, der um die Ecke in der Rähnitzgasse den Pub „Red Rooster“ betreibt, vorbeischaute. In tiefster DDR und nach dem Mauerfall hatte er die Geschäfte des 1983 gegründeten Rocktrios in den Händen, wovon nun manch fröhliche Anekdote kündete. Doch als sich mit dem damaligen Sänger und Saxofonisten Frank „Friedhelm“ Schönfeld, der eigens aus Waldheim herübergekommen war, ein weiteres REFORM-Urgestein in der Heinrichstraße vorstellte, streifte der Mantelsaum der (Rock-)Geschichte die Anwesenden. 

Mike Demnitz am 17.12.2016 im HISTORICA Antiquariat | Quelle: Bert Wawrzinek
Mike Demnitz am 17.12.2016 im HISTORICA Antiquariat | Quelle: Bert Wawrzinek



1975 hatten Demnitz und Schönfeld gemeinsam mit dem Schlagzeuger Peter Piele und den Gitarristen Jörg Blankenburg und Werner Kunze eine der wohl interessantesten Rockbands der früheren DDR gegründet, deren drei Langspielplatten auch heute noch beeindrucken. Episode folgte nun auf Episode, zum Abschied signierte „der Mike“ in fideler Runde noch Fotos, Platten und CDs.  

Und während der nimmermüde Bassist, dem all die heraufbeschworenen Jahre rein gar nichts anzuhaben scheinen, schon längst mit Kind und Kegel ins heimatliche Freital entschwunden war, saß man im Barockviertel noch lange beieinander, inspiriert von einem Jungbrunnen, der seine Kraft noch immer zu entfalten weiß. 

Einen aktuellen MCB-Konzertreport findet man hier: 
https://www.sachsen-depesche.de/kultur/konzertreport-mcb-in-dresden.html

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