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Zur Erinnerung an Maria Emanuel Markgraf von Meißen (1926-2012)

Ein Leben für Sachsen

Donnerstag, 21 Juli 2016 18:35
Der Markgraf und die Markgräfin von Meißen - 1991 mit Sachsenfreunden im Schlossgarten von Sibyllenort (Szczodre). Rechts mit dem Rautenbanner unser Autor Bert Wawrzinek Der Markgraf und die Markgräfin von Meißen - 1991 mit Sachsenfreunden im Schlossgarten von Sibyllenort (Szczodre). Rechts mit dem Rautenbanner unser Autor Bert Wawrzinek Quelle: Privatarchiv Bert Wawrzinek

Dresden – Am 23. Juli vor nunmehr 4 Jahren verstarb Seine Königliche Hoheit Maria Emanuel Markgraf von Meißen, Prinz von Sachsen, Herzog zu Sachsen – fern der Heimat in seinem Schweizer Exil La Tour de Peilz. Der Enkel des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. (1865-1932) wurde am 31. Januar 1926 als erster Sohn Markgraf Friedrich Christians und der Elisabeth Helene Prinzessin von Thurn und Taxis am 31. Januar 1926 auf Schloss Prüfening bei Regensburg geboren. Seine Kindheit verbrachte er bei den Eltern in Bad Wörishofen, Bamberg und Dresden-Wachwitz.

Nach dem Besuch des Bischöflichen St. Benno-Gymnasium Dresden und des Jesuiten-Kollegs St. Blasien im Schwarzwald finanzierte die Familie eine Privatschule in der königlichen Villa in Dresden-Strehlen. Im September 1944 wurde der 18-jährige Prinz von der Gestapo verhaftet und wegen Wehrkraftzersetzung und Hörens ausländischer Rundfunksender vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, später zu einer Haftstrafe begnadigt. Nach einer abenteuerlichen Flucht konnte Maria Emanuel im Oktober 1945 seine Familie im österreichischen Bregenz wiedersehen.

Wie Millionen Mittel- und Ostdeutsche mussten auch die Angehörigen des vormaligen sächsischen Königshauses als Flüchtlinge und Vertriebene im Westen Deutschlands neu beginnen. Nach dem Studium einiger Semester an der Düsseldorfer Kunstakademie, war Prinz Maria Emanuel ab 1950 in München als Grafiker und Kunstmaler tätig. 1958 folgte er einer Einladung seines Onkels Prinz Ernst Heinrich in die Schweiz, um das dortige Bankwesen zu studieren. Hier lernte er auch Anastasia-Louise Prinzessin von Anhalt (*1940) kennen, das Paar heiratete am 23. Juni 1962 in Vevey am Genfer See. Nachdem Markgraf Friedrich Christian am 9. August 1968 verstorben war, wurde Maria Emanuel Chef des Hauses Wettin, Albertinische Linie. Wie schon sein Vater, führte auch der neue Hauschef den ältesten Titel der Wettiner „Markgraf von Meißen“, worin der legitime Anspruch auf den sächsischen Thron seinen Ausdruck fand.

Eine besondere Bedeutung für SKH erhielt nun der St. Heinrichs-Orden, der 1736 von Kurfürst Friedrich August II. gestifteten, höchsten sächsischen und zugleich ältesten deutschen Tapferkeitsauszeichnung. 1959 hatten sich nahezu 300 der im Ersten Weltkrieg ausgezeichneten Träger der Auszeichnung zum „Konvent des Königlich Sächsischen Militär-St. Heinrichs-Ordens“ unter der Großmeisterwürde Markgraf Friedrich Christians zusammengeschlossen. Um diese Tradition lebendig zu erhalten, gründete Markgraf Maria Emanuel 1975 den Verein der St. Heinrichs-Nadelträger und 1985 den St. Heinrichs Orden e. V. 1963 hatte Markgraf Friedrich Christian die St. Heinrichs-Nadel gestiftet, um Persönlichkeiten zu ehren, die sich in besonderem Maße um die Pflege sächsischer Kultur und Geschichte verdient gemacht haben. Die Verleihung fand an historischen Stätten statt, die auf bestimmte Weise mit „dem Heinrich“ in Zusammenhang stehen. Unvergessen sind die glanzvollen St. Heinrichstage in Bamberg, der eigentlichen Heimstatt des Ordens, wo sich im Kaiserdom das prächtige Grab des Ordenspatrons, des römisch-deutschen Kaisers Heinrich II. des Heiligen (973-1024) befindet.

Unermüdlich zeigte sich Markgraf Maria Emanuel bei der Betreuung der zahlreichen, nach 1945 in Westdeutschland, aber auch der Schweiz und Österreich entstandenen Sachsenverbände. Die damaligen Kameradschaften ehemals sächsischer Regimenter, die Traditionspflege der Königlich-Sächsischen Armee, lagen ihm dabei besonders am Herzen. Im April 1989 feierten die Wettiner das 900-jährige Jubiläum des Fürstenhauses in Regensburg. Als ein halbes Jahr später die Berliner Mauer fiel und die Wiedervereinigung Deutschlands auf der Tagesordnung stand, begann auch für den Markgrafen von Meißen ein neuer Lebensabschnitt, stellten sich neue Herausforderungen, diesmal jedoch mitten  in  Sachsen!

Am 23. Dezember 1989 traf das Markgrafenpaar in Dresden ein, um zunächst in der Hofkirche für die schicksalhafte Fügung zu danken, nach 45 Jahren wieder in der alten Heimat zu sein. Es folgten ereignisreiche Jahre voller Aufbruchstimmung, für das frühere Königshaus nicht immer ungetrübt, regierte doch im Nachwendesachsen der Jahre 1990-2002 mit Kurt Biedenkopf ein CDU-Ministerpräsident, der den Bestrebungen des ehemals regierenden Hauses skeptisch und mitunter verständnislos gegenüberstand. Umso größer waren Freude und Begeisterung bei denen, die das Glück hatten, sich eine Zeitlang im Strahlungsfeld der „Ersten Familie des Landes“ (Claus Laske) zu bewegen und die Faszination zu spüren, die ungebrochen von ihr ausging. Vielleicht war es ein letzter Abendglanz jener glücklichen Epoche, in der Sachsen ein Königreich war, jedenfalls verfügte Seine Königliche Hoheit über ein Charisma, dem sich kaum jemand zu entziehen vermochte.

Was war da nicht alles anzupacken, gemeinsam anzuschieben, durch Rat und Tat des Markgrafen voranzubringen! SKH als Mitdemonstrant vor dem damaligen Sächsischen Landtag, um die für Sachsen votierenden Gemeinden des Kreises Senftenberg bei ihrer Rückkehr zu unterstützen, beim Sachsenbundtag in Hellerau, auf dem Weg nach Sibyllenort in Schlesien, nach Königgrätz; landauf, landab im alten Daimler, doch voller Energie und alles um sich inspirierend.

So gehören die gemeinsamen Unternehmungen und Reisen des Markgrafen mit „Sachsenbund“ und „Arbeitskreis sächsische Militärgeschichte“ zu den wertvollsten Erinnerungen des Autors dieser Zeilen an eine bewegte Zeit. Leuchtend auch der 70. Geburtstag SKH 1996 in Hoflößnitz (Radebeul); unvergesslich die zahllosen gemeinsamen Abende in gelöster, frohgemuter Stimmung. Wir haben zusammen gelacht, bis uns Tränen der Freude aus den Augen liefen, denn der Markgraf verfügte über einen subtilen Humor, dessen Hintergründigkeit man kennen musste. Es war der Markgraf, der uns überzeugend vermittelte, dass die Sachsen einmal eine große Familie waren, die durch eine großartige Tradition miteinander verbunden ist. Und wir haben mit ihm einen Traum geträumt…

Markgraf Maria Emanuel blieb bis zuletzt allgegenwärtig, so dass erst mit seinem Fortgang deutlich wurde, was unwiderruflich vergangen war. Bei Imst in Tirol, in der Familiengruft zu Brennbichl, hat man ihn neben seinen Eltern beigesetzt. Es würde den Sachsen gut zu Gesicht stehen, wenn sie ihren Markgrafen eines Tages heimholen würden, damit er wenigstens im Tode seinen Platz einnehmen kann, wie er es oft gewünscht hat: neben den bereits verewigten Kurfürsten und Königen seiner Familie, in der Dresdner Fürstengruft des Hauses Wettin.

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