Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Kunst & Kultur

Max Klinger (1857-1920) zur Erinnerung

Ein deutscher Rodin aus Sachsen

Freitag, 17 Februar 2017 23:54
Max Klinger, Selbstbildnis (1894) Max Klinger, Selbstbildnis (1894) Quelle: Privatarchiv Bert Wawrzinek

Leipzig – Am 18. Februar vor 160 Jahren wurde Max Klinger als zweiter Sohn des Seifensieders Heinrich Louis Klinger in Leipzig geboren. In der Zeichenschule Brauer erwarb er erste künstlerische Fähigkeiten. Auf Empfehlung Anton von Werners studierte der junge Mann an der Großherzoglich Badischen Kunstschule in Karlsruhe bei den Kunstmalern Karl Gussow und Ludwig Des Coudres. 1875 wechselte er an die Königliche Akademie der Künste in Berlin, wo Adolph Menzel sein künstlerisches Vorbild wurde und der Sachse seine Ausbildung mit dem Prädikat „Außerordentlich“ abschließen konnte.

Sein öffentliches Debüt „Die Spaziergänger“, ein dem Symbolismus zugerechnetes Gemälde, erfolgte im Rahmen der 52. Ausstellung der Königlichen Akademie 1878 in Berlin. Klinger ging nach Brüssel, um Schüler des Historienmalers Emile Wauters zu werden. Seit 1881 unterhielt er ein eigenes Atelier in Berlin. Bei der Ausgestaltung der Villa Albers in Steglitz – Klingers erstem großem Auftrag – kombinierte der Künstler erstmals wandfüllende Malerei mit Skulpturen. In Paris studierte er die Werke von Goya und Daumier und gab graphische Zyklen heraus, die hervorragende Kritiken erhielten. Auch später wird Klingers künstlerische Bedeutung vor allem in seinem graphischen Werk liegen, das den Reichtum seiner Phantasie und eine vollendete Technik zeigt.

In seiner kunsttheoretischen Abhandlung „Malerei und Zeichnung“ (1885) plädierte Klinger für eine unbefangene Darstellung des Nackten und verurteilte die Prüderie seiner Zeit. In Leipzig entstanden das Gemälde „Urteil des Paris“ und die aufsehenerregende „Neue Salome“. Die in unterschiedlichen Marmorfarben leuchtende Skulptur zeigt einen Bildhauer, der, einem eigenen ästhetischen Konzept folgend, sich an der eben wiederentdeckten antiken Polychromie orientierte. Das in Dresden gezeigte Gemälde „Kreuzigung“ löste einen Skandal aus, da Christus völlig nackt dargestellt war. 1895 bezog der erfolgreiche Künstler ein neues Atelier in der Leipziger Karl-Heine-Straße, im Jahr zuvor war er Mitglied der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin geworden. Nun entstanden die Marmorbüste „Kassandra“ mit gelben Bernsteinaugen und rotem Sockel sowie Entwürfe für Wandgemälde im Treppenhaus des Museums für bildende Künste zu Leipzig.

Im Jahr 1897 wird auf der Leipziger Kunstausstellung das Monumentalgemälde „Christus im Olymp“ gezeigt, in dem eine Synthese von Antike und Christentum symbolisiert ist. In der Messestadt lernte Klinger die Schriftstellerin Elsa Asenijeff (1867-1941) kennen, die ihm Modell, Lebensgefährtin und Mutter seiner 1900 geborenen Tochter Desireé werden sollte. Reisen führten den Künstler nach Wien und Paris, Italien und Griechenland. Porträtbüsten von Elsa Asenijeff, Franz Liszt (für das Leipziger Gewandhaus), Friedrich Nietzsche, Richard Wagner und Richard Strauß fanden begeisterte Aufnahme.

Max Klinger, Friedrich Nietzsche (1904) | Quelle: Privatarchiv Bert Wawrzinek
Max Klinger, Friedrich Nietzsche (1904)
Quelle: Privatarchiv Bert Wawrzinek

 

Das legendäre Beethoven-Denkmal, Klingers plastisches Hauptwerk, war während der Beethovenausstellung der Wiener Secession 1902 deren zentrales Exponat. 1903 erwarb der Künstler in Großjena bei Naumburg einen Weinberg, wo ein repräsentatives Wohnhaus entstand. Zu Klingers 50. Geburtstag ehrte ihn der Leipziger Kunstverein mit einer Ausstellung seines Gesamtwerkes. 1911 wird Gertrud Bock (1893-1932) Klingers Modell, die er 1919 heiratet. Am 4. Juli 1920 stirbt der „deutsche Rodin“, einer der vielseitigsten und fruchtbarsten Künstler seiner Zeit, in Großjena.

Artikel bewerten
(17 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten