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Dresdens Baudenkmale

Die Markthalle in der Inneren Neustadt

Sonntag, 13 August 2017 13:54
Die Neustädter Markthalle in Dresden Die Neustädter Markthalle in Dresden Quelle: Bert Wawrzinek

Dresden – Deutschlands vielleicht schönste Markthalle steht in Dresden, zwischen Ritter- und Metzer Straße in der Inneren Neustadt. Als Sandsteinbau im Stil der Neorenaissance, wurde das imposante Gebäude 1899 durch Stadtbaurat Edmund Bräter (1855-1925) auf dem Gelände der abgerissenen Infanterie-Kasernen errichtet. Die damaligen Baukosten betrugen 600 000 Mark. Im Innern überzeugt die zweigeschossige, 86 Meter lange und 30 Meter breite Halle mit stählernen Pfeilern, Treppen und Galerien im schönsten Jugendstil. Großzügige Fensterfronten, besonders aber ein sich über den Scheitel des 17 Meter hohen Raumes erstreckendes Oberlicht, sorgen für natürliche und ausreichende Lichtverhältnisse.

Mit dem starken Anwachsen der Einwohnerzahl war gegen Endes des 19. Jahrhunderts die Lieferung von Lebensmitteln aus immer größeren Entfernungen notwendig geworden, machten moderne Anforderungen an Hygiene und Qualität der Waren die Verlegung des Handels in feste Bauten notwendig. 1893 wurden die bis dato im Freien abgehaltenen Wochenmärkte eingestellt. Drei große Markthallen entstanden: die Großmarkthalle an der Weißeritzstraße (erhalten), die Markthalle Antonsplatz (1945 zerstört) und – rechtselbisch - die Neustädter Markthalle.

Bei seiner Eröffnung beherbergte der Bau 229 Verkaufsstände auf einer 1158 Quadratmeter großen Fläche im Erdgeschoß, hinzu kamen eine Gaststätte, weitere Läden und Wohnungen. Verkauft wurden u. a. Fleisch und Wild, lebende Fische, Garten- und Südfrüchte, Butter, Käse, Eier, Kartoffeln und Blumen. Städtische Markthallenbeamte überwachten vor Ort die Qualität der Nahrungs- und Genußmittel, wie die Einhaltung der vorgeschriebenen Maße und Gewichte. 1944 und 1945 wurde der östliche Teil des Gebäudes durch Fliegerbomben zerstört, doch bald lief der Verkauf an anderer Stelle mit provisorischen Marktständen wieder an.

Nach dem Krieg nutzte die Konsumgenossenschaft das Objekt, die hier 1967 eine „Kaufhalle“ (eingeschossige Selbstbedienungs-Lebensmittelmärkte der DDR) von 1000 Quadratmetern einrichtete. Der ehemalige Lagerbereich wurde zwischen 1978 und 1981 für 5,3 Millionen Ostmark saniert. Seitdem ziert eine Figurengruppe, die einst das Blockhaus, das sächsische Kriegsministerium am Neustädter Markt (https://www.sachsen-depesche.de/kultur/das-dresdner-blockhaus.html) schmückte, den Ostgiebel.

Die Konsum Dresden eG erwarb die Markhalle 1997. Bei umfangreichen Sanierungsarbeiten wurden die Galerie erweitert und das Kellergeschoß zur Verkaufsfläche umgebaut. Mit nunmehr 4757 Quadratmetern Mietfläche konnte im November 2000, nach zehnmonatiger Sanierung wiedereröffnet werden. 19 Millionen Euro waren verbaut worden. Was für ein Glanz war das damals, welch quirliger Optimismus, der in vollbesetzten Geschossen 43 Handelsleute und eine frohgestimmte Gästeschaar beseelte!

2003-2005 kam das Automobilmuseum Dresden in die obere Etage (jetzt zum Teil im Simmel-Hochhaus am Albertplatz). Unvergeßlich sind die Photoausstellungen von Dresden-Original Lothar Lange, dessen Bilderfundus hier den passenden Rahmen fand ( https://www.sachsen-depesche.de/kultur/12-000-dresden-bilder-in-der-neustädter-markthalle.html). Aktuell befindet sich im Obergeschoß noch bis 21. Oktober eine - von der Bundesregierung prämierte - interaktive Spielzeugausstellung „Buntewelt“, ab November wird der beliebte Trödelmarkt vom Haus der Presse abermals auf zwei Ebenen sein Winterquartier beziehen.

Nicht zuletzt sind es jene 16 Gewerbetreibenden, kleine und größere Einzelhändler, darunter nicht wenige Frauen, die jene Stammbesatzumg bilden, welche unermüdlich, Tag für Tag mit Fleiß und Charme, die unverwechselbare Atmosphäre des an Traditionen reichen Baues prägt: vom Spielzeughändler AMIDA, über den sächsischen Backwarenspezialisten „Emil Reimann“, die „Blumenwelt“ von Lé thi Hien zum „Landladen“ von Tom Marx, um nur stellvertretend einige „Urgesteine“ zu nennen.

Die Dresdner lieben ihre Neustädter Markthalle, die ihnen weit mehr als den täglichen Einkauf zu bieten hat. Die Nichtdresdner kommen, staunen und photographieren. Im Winter warm und bald weihnachtlich, im Sommer kühl und lichtdurchflutet – es ist ein ganz besonderer Zauber, der hier seit beinah 120 Jahren ein buntes Publikum in seinen Bann zieht. Überzeugen Sie sich selbst!

Letzte Änderung am Sonntag, 13 August 2017 14:06
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