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Der „schönste Kasernenbau Sachsens“

Die Jägerkaserne in Dresden-Johannstadt

Mittwoch, 26 Oktober 2016 00:54
Dresdner Jägerkaserne, Lichtdruck von 1885 Dresdner Jägerkaserne, Lichtdruck von 1885 Quelle: Privatarchiv Bert Wawrzinek

Dresden – Unweit der Albertbrücke, vis-á-vis dem Sachsenplatz im Stadtteil Johannstadt, befand sich bis zu ihrem Abriss in den 1950er Jahren – die Jägerkaserne. Das schlossähnliche Gebäude wurde 1880/81 nach Entwürfen von Oswald Haenel, Bruno Adam und Fritz Opitz errichtet. Seiner prächtigen Erscheinung und modernen Ausstattung wegen, galt es zu seiner Zeit als „schönster Kasernenbau Sachsens“. Ende September 1882 bezog das Königlich Sächsische 2. Jägerbataillon Nr. 13 das weiträumige Areal.

Dessen Hauptportal lag an der 134 Meter langen Elbseite. Zwei Seitenflügel und das Exerzierhaus an der Südseite schlossen den Komplex ab. Im Erdgeschoss befanden sich Wache, Arrestlokal, Unterrichts-, Büroräume und ein Oberjäger-Kasino im Stil eines Jagdhauses. Mannschaftsstuben, Wasch- und Schlafsäle sowie ein Offizierskasino waren in den Obergeschossen untergebracht. Außerdem gab es Lager- und Montierungsräume, Werkstätten und Wohnungen für Berufssoldaten. Speisesäle für Mannschaften lagen im Kellergeschoss. Die gewaltige Dachkonstruktion der Anlage war mit englischem Schiefer gedeckt. Über zwei Granittreppen gelangte man in einen über 4000 Quadratmeter großen Innenhof.

1925 wurde vor dem Hauptportal ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Dresdner Jäger errichtet. Das monumentale Halbrelief schuf der namhafte Dresdner Bildhauer Georg Wrba (1872-1939). Zuletzt wurde das vierflügelige Gebäude als Polizeikaserne genutzt. Im Bombenhagel des 13./14. Februar 1945 zerstört, dominierte die Kasernenruine noch Jahre nach dem Krieg den Sachsenplatz und wurde später abgetragen.

Wie durch ein Wunder, blieb das Jägerdenkmal im Krieg unversehrt. Abgebrochen wurde es im Juni 1947 auf Weisung der Sowjetischen Militäradministration. Es wäre eine schöne Geste, wenn die Stadt Dresden wieder Gelegenheit fände, auch der 61 gefallenen Offiziere und 2924 Mannschaften und Unteroffiziere zu gedenken, die vor 100 Jahren als 13er Jäger bzw. Angehörige der Reservebataillone 13 und 25 ihr junges Leben fern der sächsischen Heimat verloren haben.

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