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Vom Kriegsministerium zum Kunsttempel

Das Dresdner Blockhaus

Dienstag, 17 Januar 2017 18:38
Bewegte Geschichte - das Dresdner Blockhaus Bewegte Geschichte - das Dresdner Blockhaus Quelle: Bert Wawrzinek

Dresden – Am Neustädter Markt, wenige Meter vom „Goldenen Reiter“ entfernt, steht am Kopf der Augustusbrücke das sogenannte Blockhaus – die ehemalige Neustädter Wache. Zacharias Longuelune (1669-1748), Oberlandbaumeister am sächsischen Hof, hat den Bau errichtet. Ursprünglich sahen die Entwürfe vis-á-vis ein weiteres Wachhaus vor, beide sollten auf ihren Dächern Denkmäler zur Verherrlichung Augusts des Starken tragen. Die Grundsteinlegung erfolgte 1732, doch nach dem Tod des Kurfürst-Königs (1733) verzögerten sich die Arbeiten. Realisiert wurde ein eingeschossiger, quadratischer Bau mit je fünf Achsen im Stile des französischen Barocks. Eine geschmückte Balustrade schloss das in Sandstein ausgeführte Gebäude ab.

Nachdem Kurfürst Friedrich August II. entschied, den Bau zu vollenden, wurde nach Plänen Johann Christoph Knöffels 1749/51 ein weiteres Zwischengeschoß aufgesetzt, darüber ein ziegelgedecktes Satteldach. Zur Hauptstraße hin bildeten hohe offene Bögen eine Halle, die der (seit Dezember 1749) im Haus untergebrachten Wache diente. Im Siebenjährigen Krieg, nach der Schlacht bei Kunersdorf, unterzeichnen hier am 4. September 1759 preußische Truppen ihre Kapitulation. Seit 1831 war im Blockhaus das Königlich Sächsische Kriegsministerium untergebracht, wo auch (bis 1851) die Gouverneure von Dresden (Befehlshaber der Garnison) ihren Wohnsitz nahmen. Während des Maiaufstandes 1849 befand sich hier das Quartier der Regierungstruppen, fanden Ministerkonferenzen, Besprechungen der Truppenführer und Verhandlungen zwischen Militärs und Provisorischer Regierung statt.

Um für weitere Militärbehörden Raum zu gewinnen, erfolgte 1892/93 der Ausbau des Dachgeschosses, wobei das steile Ziegeldach durch ein flaches aus Kupfer ersetzt und allegorischer Schmuck an den Fassaden angebracht wurde. Mit der Novemberrevolution brachen auch die letzten Tage des sächsischen Kriegsministeriums an. Als am 12. April 1919 Kriegsversehrte vor dem Blockhaus gegen die Kürzung ihrer Pensionen protestierten, kam es zum gewaltsamen Sturm. Der SPD-Minister für Militärwesen, Gustav Neuring, wurde von der Menge in die Elbe gestürzt und erschossen. Später (1922) bezog das Wehrkreiskommando IV der neugeschaffenen Reichswehr das Gebäude, 1933 folgte die Wehrkreisbücherei mit ihren umfangreichen Buch- und Kartenbeständen. Bei der Bombardierung Dresdens im Februar 1945 wurde auch das Blockhaus zerstört und blieb 35 Jahre Ruine.

Der Wiederaufbau erfolgte zwischen 1978 und 1982, wobei der Ursprungszustand angestrebt und auf den späteren Dachgeschossausbau verzichtet wurde. Als „Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ und Veranstaltungsort mit öffentlicher Gaststätte fand das Blockhaus bis 1989 Verwendung. 1994 kaufte der Freistaat Sachsen das Anwesen. Die Landesregierung nutzte es für Veranstaltungen, während die Sächsischen Akademie der Künste, die Sächsische Akademie der Wissenschaften und die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt im Haus Räume bezogen. Nachdem 2013 ein Elbhochwasser schwere Schäden verursacht hatte, wurde das Blockhaus geschlossen, mussten seine Mieter Ausweichquartiere finden.

Im Juni 2016 berichtete der MDR, dass das Gebäude bis 2019 für 20 Millionen Euro saniert werden soll, um das „Archiv der Avantgarden des 20. Jahrhunderts“, eine 1,5 Millionen Objekte umfassende Kunstsammlung des Galeristen und Mäzens Egidio Marzona, aufzunehmen. Auch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden teilten freudig mit, dass Marzona, der bereits mit hochkarätigen Schenkungen an die Staatlichen Museen zu Berlin Aufsehen erregt hatte, der Elbestadt seine auf 120 Millionen Euro geschätzte Sammlung überlassen – schenken – wird. Expressionismus, Futurismus, Pop Art und Junge Wilde in seinem barocken Wachgebäude – ob das dem starken August imponiert hätte? Imponieren wird es den Dresdnern wohl, die einmal mehr in ihrer Stadt eine international bedeutende Sammlung mit einem internationalen Publikum zusammenbringen werden – im Blockhaus!

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