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Stadtgeschichte

Das Dresdner Bismarck-Denkmal von Robert Diez (1844-1922)

Dienstag, 29 Januar 2019 03:59
Bismarck-Denkmal in Dresden (um 1910) Bismarck-Denkmal in Dresden (um 1910) Quelle: Archiv B. Wawrzinek

Dresden – An der Ringstraße, zwischen Prager und Seestraße, stand bis 1946 ein Bronzedenkmal Otto von Bismarcks. Anläßlich dessen 80. Geburtstages (1895) war auch in Dresden die Idee entstanden, den „Reichsschmied“ mit einem repräsentativen Standbild zu ehren. Wenige Jahre zuvor (1892) hatte jener die Elbestadt besucht und im „Bellevue“ am Theaterplatz Quartier genommen, wo ihm Tausende Dresdner Ovationen darboten.

Den Auftrag erhielt der renommierte Bildhauer Robert Diez. 1844 im thüringischen Pößneck geboren, hatte der Künstler einst an der Dresdener Akademie studiert, wo er nun als Professor wirkte. Am 30. August 1903 wurde sein Bismarck-Denkmal feierlich eingeweiht. Den Bronzeguß hatte die Dresdner Glockengießerei C. Albert Bierling ausgeführt, die Baukosten betrugen 160 000 Mark. 3,50 Meter maß die Gesamthöhe der monumentalen Anlage, die an zentralem Ort jetzt den vaterländischen Geist der Passanten befeuerte.

Ein überlebensgroßer Reichskanzler mit wehenden Rockschößen, Helm und Pallasch in den Händen, inmitten eines gestuften Sockels aus schwedischem Granit. Zu seinen Füßen ein Wappenschild mit Reichsadler, seitlich zwei bronzene Greifvögel, Kampf und Sieg versinnbildlichend. Rückseitig noch ein Zitat: „Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt.“ So trotzte der bronzene Staatsmann den Zeitläuften. Und wenn auch die Adler später Rüstungszwecken weichen mußten, hat doch das Denkmal selbst den Luftangriff vom 13. Februar 1945 weitgehend unbeschadet überstanden.

Was Bomben nicht vermochten, sollten Bilderstürmer vollenden. Die sowjetische Militäradministration erfaßte das Monument noch auf einer Liste zu schützenden Kulturgutes. Auch wurde ein alternativer Standort in Aussicht gestellt. Anders jene neue Stadtverwaltung, die den Abbruch veranlaßte, der in der Nacht vom 13. zum 14. Mai 1946 durch „FDJ-Aktivisten“ vonstatten ging. Eingelagert im Johanneum, wurde der „Eiserne Kanzler“ schließlich 1947 eingeschmolzen.

Wenn auch die Bismarcksche Gloriole an der Seestraße vergangen ist, bleibt doch ihr Schöpfer, Robert Diez, im Dresdner Stadtbild weiter präsent. Sein „Gänsediebbrunnen“ von 1878 (heute Weiße Gasse) und die Zwillingsbrunnenanlage „Stille Wasser und Stürmische Wogen“ (1883/1894) am Albertplatz - gehören zu den Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt. Den Untergang seiner Bismarck-Statue mitzuerleben, blieb dem 1922 in Dresden verstorbenen Bildhauer erspart. Sein Grab kann man auf dem Inneren Neustädter Friedhof besuchen.

Letzte Änderung am Dienstag, 29 Januar 2019 14:20
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