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Türkischstämmiger Bestsellerautor hat bereits Widerspruch eingelegt

Amtsgericht Dresden: Strafbefehl gegen Akif Pirinçci wegen Volksverhetzung

Freitag, 10 Februar 2017 07:21
Akif Pirinçci bei einer Buchlesung in Dresden (2016) Akif Pirinçci bei einer Buchlesung in Dresden (2016) Quelle: Johann W. Petersen | SACHSEN DEPESCHE

Dresden – Der Schriftsteller Akif Pirinçci hat vom Amtsgericht Dresden einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung erhalten. Das Gericht befand, dass Aussagen aus einer Rede, die der deutsch-türkische Bestsellerautor am 19. Oktober 2015 bei einer Kundgebung von PEGIDA in Dresden gehalten hatte, unter diesen Straftatbestand fallen und brummte ihm 180 Tagessätze zu je 65 Euro auf. Das ergibt eine Gesamtgeldstrafe von 11.700 Euro.

Pirinçci hat inzwischen Einspruch gegen das Urteil eingelegt. Gegenüber der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ sprach der umstrittene Schriftsteller von einem Missbrauch des Gesetzes, um missliebige Positionen verfolgen zu können. Es gehe „um die Vernichtung meiner wirtschaftlichen Existenz“, so Pirinçci. Auf Facebook kündigte er zudem an, nun „ein richtig großes Fass“ aufmachen zu wollen und kommentierte das Urteil in drastischen Worten. Vermutlich auf Anraten seines Anwaltes wurde der Post inzwischen wieder gelöscht.

In seiner Dresdner Rede hatte Pirinçci von „Umvolkung“ gesprochen und Asylbewerber als „Invasoren“ bezeichnet, was unter anderem vom Gericht moniert wurde. Für Aufregung hatte seinerzeit eine andere Passage gesorgt. Mit Bezug auf die Aussage des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU), der Gegner einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber mit den Worten „Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen“ abgekanzelt hatte, sagte er damals: „Offenkundig scheint man bei der Macht die Angst und den Respekt vor dem eigenen Volk so restlos abgelegt zu haben, dass man ihm schulterzuckend die Ausreise empfehlen kann, wenn er gefälligst nicht pariert. Es gäbe natürlich auch andere Alternativen. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.“

Viele Medien stellten es zunächst so dar, als habe Pirinçci bedauert, dass keine Konzentrationslager für Migranten zur Verfügung stünden. Gegen diese Verzerrung seiner Aussage konnte er im Nachgang zwar mehrere einstweilige Verfügungen erwirken, doch die direkten Folgen waren trotzdem gravierend: Zunächst nahm Random House alle älteren Krimi-Titel des Autors aus dem Programm, dann boykottierten ihn marktbeherrschende Einzelhändler wie Thalia und Amazon, schließlich strichen auch die Barsortimente, also jene Zwischenhändler, die den gesamten Buchhandel beliefern, seine Bücher aus ihrem Angebot. Am Ende trennte sich sogar der Verlag Manuscriptum, bei dem Pirinçcis Bestseller „Deutschland von Sinnen“ und der Folgetitel „Die große Verschwulung“ erschienen waren, von ihrem Autor, der daraufhin zum Verlag Antaios von Götz Kubitschek wechselte.

Für den Strafbefehl gegen spielte genanntes Zitat keine Rolle, wohl aber folgende Passage: „Ja, weshalb muss man sich von diesen Drecksdeutschen überhaupt Widerworte gegen die Vergewaltigung ihres eigenen Landes und ihrer Lebensart mit Nutz- und Kulturlosen und bestellten Mördern aus irgendeinem Mohammed-Land gefallen lassen, wo es doch viel besser und geräuschloser wäre, wenn sie sich selbst einen Arschtritt versetzen und selber dahin flüchteten, wo der Pfeffer wächst.“ Wann der Widerspruch gegen das Urteil verhandelt wird, steht noch nicht fest.

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