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Interview mit dem Eigentümer der Zittauer Mandaukaserne

Thomas Göttsberger: „Alle Beteiligten sind aufgerufen, für Zittau und die Mandaukaserne zu kämpfen“

Freitag, 16 Juni 2017 18:16
Thomas Göttsberger auf dem Südturm der Mandaukaserne, Sommer 2016 Thomas Göttsberger auf dem Südturm der Mandaukaserne, Sommer 2016 Quelle: Thomas Göttsberger

Zittau – Die Rettung der Zittauer Mandaukaserne ist mittlerweile ein bundesweites Politikum. Noch Ende 2015 war ein Abriss des denkmalgeschützten Monumentalbaus geplant, dann führten Bürgerproteste und beherzte Fürsprecher zu einem Sinneswandel. Unter Federführung des Stadtforums Zittau wurde der einsturzgefährdete Südturm saniert, erfolgte die Notsicherung des Nordflügels. Die denkmalgerechte Ausführung der Arbeiten geschah in Absprache mit dem Amt für Denkmalpflege. Hoffnungsvolle Konzeptionen entstanden. Noch im März hatte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) verkündet, dass das geplante „Mandau-Forum“ als „Nationales Projekt des Städtebaus“ anerkannt und mit vier Millionen Euro Förderung zu rechnen wäre. Jetzt scheint das ambitionierte Vorhaben ins Stocken zu kommen. SACHSEN DEPESCHE hat mit dem Eigentümer des Zittauer Kasernenbaues, dem Ostritzer Stadtrat Thomas Göttsberger (Wählervereinigung Siedlung), gesprochen.

SACHSEN DEPESCHE: Herr Göttsberger, ist die aktuelle Situation um die Mandaukaserne, wie die sächsische Landeskonservatorin Prof. Pohlack unlängst formulierte, ein „Fiasko“, das vor allem der Eigentümer zu verantworten habe?

Thomas Göttsberger: Nein, natürlich nicht. Die Stadt Zittau hatte sich zunächst ein Ankaufsrecht für die Mandaukaserne einräumen lassen, dieses jedoch nicht wahrgenommen. Es war von meiner Seite auch nicht geplant, Eigentümer der Mandaukaserne zu werden. Das notariell eingeräumte Ankaufsrecht für die Stadt lief Mitte Juni 2016 aus und wurde nicht verlängert. Das Verhältnis zwischen dem Zittauer Oberbürgermeister und dem Verwalter der Mandaukaserne war dem Vernehmen nach nicht das beste. Danach hätte jeder – auch jeder Spekulant – die Mandaukaserne erwerben können. Ich wurde durch einen Anruf von Frau Prof. Dr. Pohlack, der sächsischen Landeskonservatorin, Ende August 2016 dringend gebeten, das zu verhindern und mich zu bemühen, das Ankaufsrecht zu erlangen. Das ist mir gelungen.

SACHSEN DEPESCHE: Warum haben Sie sich nicht mit dem Dresdner Projektbüro Petschow + Thiel einigen wollen, hinter dem ein Investor stehen soll, der das 20 Millionen Euro schwere Konzept finanzieren würde? Das wäre zumindest naheliegend gewesen. Was sind Ihre Vorbehalte gegen genanntes Projekt?

Thomas Göttsberger: Die Stadt Zittau und das Projektentwicklungsbüro hatten 10 Monate Zeit, die Kaserne zu erwerben. Leider hatten sich damals weder Stadt noch das Projektentwicklungsbüro in der Verantwortung gesehen, sich um das Gebäude – und die dringend nötigen Arbeiten zur Substanzrettung – zu kümmern. Damals war nicht absehbar, dass es Fördergelder vom Bund geben könnte. Als mir das Ankaufsrecht zuerkannt wurde, sah ich mich als Zwischenerwerber. Angedacht war eine Übertragung auf das Projektentwicklungsbüro Petschow + Thiel. Entsprechende Gespräche liefen. Bei der letzten Verhandlungsrunde war Herr OB Zenker anwesend und schlug die Einrichtung eines Gestaltungsbeirates mit Vetorecht vor. In der Folge haben Petschow und Thiel die Verhandlungen abgebrochen. Natürlich bin auch weiterhin gesprächsbereit. Großes Gewicht hat aber auch die Qualität der Sanierung. Sie kann in Anbetracht der Wichtigkeit des Gebäudes nur denkmalgerecht erfolgen. Den Ansatz einer kompletten Entkernung im Innenbereich halte ich für falsch.

SACHSEN DEPESCHE: Werden Sie die Konzeptskizze, die der Fördermittelzusage zugrunde liegt, noch umsetzen können, oder würden Sie andernfalls auch an einen interessierten Investor verkaufen?

Thomas Göttsberger: Für die Umsetzung dieser Konzeptskizze ist die Errichtung einer 3-Feld-Multifunktionshalle wesentlicher Bestandteil. Ohne sie gibt es keine Fördermittel. Trotz mehrmaliger Bitten und Nachfragen hat die Stadt bislang keinerlei Unterlagen zu der Halle an mich übergeben und sich in den letzten Monaten auch nicht zur Auslastung bekannt. Das Konzept kann aber nicht weiterentwickelt werden, wenn keine verbindlichen Aussagen zur Halle vorliegen. Erst einem Interview von Herrn OB Zenker vom 10.06.2017 habe ich entnommen, dass die Stadt die Halle zu zwei Dritteln auslasten würde. Ich habe Herrn Zenker dringend gebeten, die erforderlichen Unterlagen, wie beispielsweise die Bedarfsanforderung, zeitnah vorzulegen, um die Konzepterstellung vorantreiben zu können. Herr Zenker hat öffentlich mitgeteilt, dass mehrere Projektentwickler und Investoren Interesse an der Mandaukaserne gezeigt hätten. Die Kontaktdaten dieser Interessenten hat mir Herr Zenker bislang jedoch nicht übermittelt, obwohl ich ihn schriftlich darum gebeten hatte. Zum Wohle der Stadt Zittau und der Mandaukaserne muss eine Lösung dahingehend erreicht werden, dass die avisierten Fördermittel nach Zittau fließen. Selbstverständlich werde ich ergebnisoffen Gespräche mit allen Interessenten führen, sobald mir deren Kontaktdaten bekannt sind.

SACHSEN DEPESCHE: Gesetzt den Fall, die Fördermittel können nicht mehr ausgereicht werden, und Sie bleiben Eigentümer. Wie könnte es dann weitergehen? Welche Perspektiven können wir uns jenseits ehrgeiziger Mammutprojekte für die „alte Dame“ vorstellen?

Thomas Göttsberger: Derzeit liegt der Fokus darauf, alles zu tun, damit Zittau der Fördermittel nicht verlustig geht. Hier sind alle Beteiligten aufgerufen, in einem konstruktiven Miteinander für Zittau und die Mandaukaserne zu kämpfen. Öffentliche Auseinandersetzungen, wie sie derzeit stattfinden, halte ich nicht für hilfreich. Herr OB Zenker hatte vor einiger Zeit sogar vorgeschlagen, dass man nur gemeinsame Pressemitteilungen herausgibt, damit man mit einer Sprache spricht. Ich fand den Vorschlag begrüßenswert und habe zugestimmt. Leider geht die Stadt derzeit andere Wege. Ich stehe auch, wie verschiedentlich vorgeschlagen, selbstverständlich für einen Runden Tisch zur Verfügung. Einen solchen gab es bislang noch nicht.

SACHSEN DEPESCHE: Bei Beginn der Rettungsaktivitäten vor über einem Jahr war das Selbstverständnis bescheidener, ging es noch darum, mit der Notsicherung einen Abriss zu verhindern, um das stadtbildprägende Gebäude für spätere Zeiten zu sichern. Wäre das nicht noch immer eine Option?

Thomas Göttsberger: Vom Verhindern des beabsichtigten Abrisses über eine Notsicherung hinein in die Nutzung und Belebung des Objekts, so etwas muss es nicht nur im Märchen geben! Es wäre eine Erfolgsstory, die vielleicht so manchem Zittauer Mut macht, sich auch für den Erhalt des kulturellen Erbes einzusetzen. Notleidende Denkmale gibt es in Zittau leider sehr viele! Zittau ist eine strukturschwache Region. Sollten aus diesem Grund derzeit keine Nutzer gefunden werden können, ist es selbstredend Ziel, das Gebäude unbeschadet über die Zeiten zu bringen, bis sich später Nutzungen auftun. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich bei konstruktiver Mitwirkung aller Beteiligten, insbesondere der Stadt und potenzieller Mietinteressenten, kurz- oder mittelfristig Nutzer für die Mandaukaserne finden lassen.

SACHSEN DEPESCHE: Herr Göttsberger, vielen Dank für das Gespräch!


Zur Person: Thomas Göttsberger ist Stadtrat der Wählervereinigung Siedlung in Ostritz, Mitglied des Stadtforums Zittau und Eigentümer der Mandaukaserne, die er und andere Freunde des kulturhistorisch bedeutsamen Baus nicht nur vor dem Abriss gerettet, sondern inzwischen auch teilsaniert haben.

 

Weitere Informationen zu Thomas Göttsberger und der Mandaukaserne:

https://www.sachsen-depesche.de/kultur/die-zittauer-mandaukaserne-braucht-unsere-unterstützung.html
https://www.sachsen-depesche.de/kultur/thomas-göttsberger-und-das-stadtforum-zittau-wollen-die-mandaukaserne-erhalten.html

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