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Die Schweriner AfD-Direktkandidatin zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

Interview mit Petra Federau (AfD): „Für mich ist es selbstverständlich, sich für dieses Land einzusetzen“

Freitag, 12 August 2016 18:29
Petra Federau (AfD) möchte Politik für Mecklenburg-Vorpommern gestalten Petra Federau (AfD) möchte Politik für Mecklenburg-Vorpommern gestalten Quelle: Petra Federau, SACHSEN DEPESCHE

Schwerin – In rund vier Wochen, am 4. September 2016, wählen die Bürger in Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Aktuelle Umfragen sehen die SPD bei 22 Prozent, die CDU bei 25 Prozent, die Linke bei 17 Prozent und die AfD bei immerhin 19 Prozent. Erfahrungsgemäß werden Wahlprognosen für die AfD von der Realität eher übertroffen. SACHSEN DEPESCHE sprach mit der Direktkandidatin für den Wahlkreis 9 (Schwerin II), Petra Federau (46), einer streitbaren AfD-Kommunalpolitikerin, die vor einigen Wochen für bundesweite Schlagzeilen sorgte.

SACHSEN DEPESCHE: Frau Federau, wie läuft der Wahlkampf, könnte die AfD möglicherweise stärkste Partei im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern werden?

Petra Federau: Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren. Das Plakatieren und Verteilen von Flugblättern macht dabei wohl den größten Teil aus. Doch am erfreulichsten und spannendsten sind für mich immer wieder die Infostände und Kundgebungen, das direkte Aufeinandertreffen mit den Bürgern unserer Stadt. Und genau die Reaktionen der Menschen, denen ich begegne, die ganz gezielt zu mir kommen, machen so viel Mut. Natürlich wünsche ich mir, dass wir stärkste Partei werden. Es wäre ein Paukenschlag und so notwendig!

SACHSEN DEPESCHE: Seit Beginn der Plakatierung in Mecklenburg-Vorpommern sind immer wieder AfD-Plakate zerstört worden. Im Juli wurde auf das Haus des  Direktkandidaten und Landessprechers Dr. Matthias Manthei ein Anschlag verübt, zu dem sich eine „Antifaschistische Aktion“ bekannt hat. Wie sicher fühlen Sie sich als Direktkandidatin Ihrer Partei?

Petra Federau: Ich habe leider schon vor drei Jahren lernen müssen, dass man in unserem Land mit dem politischen Gegner nicht gerade zimperlich umgeht und, abgesehen von den verbalen Attacken und Beleidigungen, auch Körperverletzungen und Anschlägen auf sein persönliches Eigentum ausgesetzt ist. Im März wurde auch auf mein Haus ein Anschlag verübt. Es hört sich vielleicht komisch an, aber ich lerne damit zu leben. Ließe ich mich davon beeindrucken, hätten unsere Gegner gewonnen. Einen ganz besonderen Dank möchte ich aber der Polizei sagen, die uns stets schnell zu Hilfe geeilt ist und unsere Infostände und Aktionen nun auch permanent personell schützt. Und überhaupt, ist es nicht ein Armutszeugnis für diese Demokratie, dass wir überhaupt Polizeischutz benötigen?

SACHSEN DEPESCHE: Nachdem die „Schweriner Volkszeitung“ im März kolportiert hatte, dass Sie 2009/2010 norddeutsche Escort-Damen für den arabischen Raum angeworben haben sollen, warf Ihr Landesvorstand Ihnen „parteischädigendes Verhalten“ vor und strich Sie von der Landesliste. Vor den Kameras der Fernsehstationen schienen einige ihrer parteiinternen Gegner moralisch sehr entrüstet. War diese Entrüstung berechtigt?

Petra Federau: Mit der Moral ist das so eine Sache und mit Heiligenscheinen und weißen Westen auch. Natürlich gab man sich entrüstet, denn wie wollte man sonst diesen unsäglichen Abwahlparteitag rechtfertigen? Wie es bei einigen Herren mit der eigenen Moral stand, als sie in aller Öffentlichkeit die einzige ernstzunehmende weibliche Konkurrenz niedergetreten haben, mögen andere beurteilen, ebenso die Frage: Was hat der AfD in der Öffentlichkeit mehr geschadet? Ich kann auch heute noch erhobenen Hauptes in den Spiegel schauen. Meinen vielen treuen Parteifreunden, die mir stets zur Seite standen, danke ich von ganzem Herzen.

SACHSEN DEPESCHE: Vom AfD-Sonderparteitag in Binz gibt es eine Filmsequenz des NDR, wo Sie sichtlich bewegt bekennen, sich für „dieses Land, dieses Volk bis zum letzten Atemzug“ einsetzen zu wollen. Für eine bundesdeutsche Politikerin sind solche Worte ungewöhnlich.

Petra Federau: Ich finde das für eine bundesdeutsche Politikerin gar nicht ungewöhnlich. Für mich ist es einfach selbstverständlich, sich für dieses Land und dieses Volk auch „bis zum letzten Atemzug“ einzusetzen. Wer dazu nicht bereit ist, hat in der Politik nichts zu suchen. Wenn ich dieses Land und dieses Volk nicht liebte, wie soll ich mich dann für seine Interessen einsetzen können? Als ich 2013 den AfD-Landesverband gründete, tat ich dies in erster Linie für die Zukunft meiner eigenen Kinder. Mittlerweile stehen meine Kinder stellvertretend für alle Kinder unseres Landes. Ich habe in zwei Jahren als Kommunalpolitikerin erlebt, wie viele „Wirbellose“ es gibt und wie viel Rückgrat ich dagegen selbst benötige. Unser Land braucht endlich wieder aufrechte und unbestechliche Politiker – und vielleicht gerade auch mich!

SACHSEN DEPESCHE: Nun ist die AfD als vergleichsweise junge Partei für schwere innere Auseinandersetzungen bekannt, die Turbulenzen um die Stuttgarter Landtagsfraktion sind noch längst nicht ausgestanden. Wie sieht es in Mecklenburg-Vorpommern aus, gibt es für Sie nach der Kontroverse noch eine gemeinsame Basis mit dem AfD-Landesvorstand?

Petra Federau: Ich sehe meine politische Verantwortung nicht im Widerstreit zu anderen Parteimitgliedern. Daran habe ich mich immer gehalten. Auch nach dem letzten Parteitag habe ich meinen Standpunkt hinsichtlich einer gemeinsamen Zusammenarbeit nicht aufgekündigt.

SACHSEN DEPESCHE: Gesetzt den Fall, Sie sind erfolgreich und gewinnen Ihren Wahlkreis – was wäre Ihnen im Schweriner Landtag besonders wichtig, wofür würden Sie vor allem eintreten?

Petra Federau: In den vergangenen zwei Jahren habe ich als Schweriner Stadtvertreterin speziell im Jugend- und Sozialbereich zielorientiert im Sinne unserer Bürger gearbeitet. Dabei habe ich aber nie die finanzpolitische Verantwortung für die Ausgabenseite aus den Augen verloren. Besonders „beliebt“ habe ich mich damit bei manchen Damen und Herren der Sozialindustrie nicht gemacht. Gleiches gilt für mich auch hinsichtlich der unverantwortlichen illegalen Migration. Sollten wir unsere Verantwortung gegenüber der eigenen Bevölkerung vernachlässigen, werden wir in Zukunft dafür bitter bezahlen. Gerne bin ich in diesem Sinne auch künftig die unbequeme, aber ernstzunehmende Politikerin, die bislang im Schweriner Landtag fehlte.

SACHSEN DEPESCHE: Frau Federau, vielen Dank für das Gespräch.


Zur Person: Petra Federau (46) ist gebürtige Schwerinerin, verheiratet und vierfache Mutter. Nach einer Ausbildung im Energiekombinat Nord war sie u. a. als Angestellte eines Energieversorgers, Geschäftsführerin in einem Pferdezuchtbetrieb und als Immobilienmaklerin tätig. Seit  Mai 2014 ist Federau AfD-Stadtvertreterin (Stadträtin) in Schwerin, zugleich Fraktionsgeschäftsführerin und Mitglied in vier Ausschüssen.

Letzte Änderung am Samstag, 13 August 2016 16:51
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