Login

sachsen-depesche.de

Freigegeben in Interview

Interview mit dem international anerkannten Spezialisten bei der Behandlung von Nasennebenhöhlenerkrankungen

Dr. Robert Bodlaj: „Hochkomplexe Technik ist die Zukunft der Medizin“

Donnerstag, 24 November 2016 19:55
Dr. Robert Bodlaj gilt als weltweit renommierter HNO-Arzt zur Behandlung des Empty Nose Syndroms (ENS) Dr. Robert Bodlaj gilt als weltweit renommierter HNO-Arzt zur Behandlung des Empty Nose Syndroms (ENS) Quelle: Dr. Robert Bodlaj

Lichtenfels – Das Leiden chronischer Erkrankungen der Nasennebenhöhlen hat sich schleichend zu einer Volkskrankheit entwickelt. Zu den typischen Symptomen gehören Kopfschmerzen und Kopfdruck, Gesichtsschmerzen, eine verstopfte Nase, aber auch Müdigkeit und oft einhergehend Fieber. Wird die Entzündung nicht rechtzeitig behandelt, kann die Krankheit chronisch werden. Folgeerkrankungen wie Mittelohrentzündungen oder Kehlkopfentzündungen drohen.

SACHSEN DEPESCHE hat mit Dr. Robert Bodlaj, einem der international renommiertesten Mediziner auf diesem Gebiet, gesprochen. Er studierte an der LMU München und absolvierte seine Facharztausbildung am Klinikum Großhadern und an der HNO-Universitätsklinik Regensburg. Dr. Bodlaj führt in Lichtenfels in Oberfranken eine Referenzpraxis für zahlreiche Medizintechnik-Firmen wie Olympus, SOMNOmedics, Neuwirth Medical Products oder Cook Medical und gilt gemeinhin als „Dr. Future“ der modernen Heilmedizin. Ein Porträt von Dr. Bodlaj und seinen Spezialgebieten ist hier nachzulesen: http://www.sachsen-depesche.de/wirtschaft-finanzen/dr-robert-bodlaj-und-sein-team-sind-f%C3%BChrend-bei-der-behandlung-des-empty-nose-syndroms.html.

SACHSEN DEPESCHE: Herr Dr. Bodlaj, Ihnen eilt der Ruf voraus, eine Art Wunderheiler bei Erkrankungen der Nasennebenhöhlen zu sein. Patienten aus ganz Europa pilgern zu Ihnen in die fränkische Provinz, um sich Heilung oder wenigstens Linderung zu verschaffen. Gerade auch aus Russland kommen viele Erkrankte. Wie kann man sich die Behandlung einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen vorstellen?

Dr. Robert Bodlaj: Erst einmal haben alle Patienten ihre spezifischen Erkrankungsmuster. Das hängt mit der Entzündungsquelle, aber auch mit Faktoren wie Alter oder der persönlichen physiologischen Konditionierung zusammen. Ein guter Arzt entwickelt erst einmal eine spezifische Behandlungsmethode für seine Patienten. Das kann konsequent ohne Tamponaden geschehen. Dadurch wird die Behandlung für den Erkrankten nahezu schmerzfrei. Dank des Einsatzes eines hochmodernen Navigationssystems wird die Behandlung bei uns in Lichtenfels extrem risikoarm. In der herkömmlichen Behandlung drohte in einzelnen Fällen eine Verletzung der Augenhöhle und des Sehnervs. Auch eine mögliche Verletzung der Gehirn-Schlagader machte die herkömmliche Behandlung für Patienten zu einer heiklen Entscheidung. Durch die Verwendung eines 4K-Endoskop-Systems bei Nebenhöhleneingriffen kann eine wesentlich erhöhte OP-Qualität erreicht werden. Diese besondere Qualität der Behandlung ist derzeit nur durch wenige HNO-Ärzte möglich.

SACHSEN DEPESCHE: Sie haben Ihre Praxis also mit modernstem Hightech aufgerüstet und ergänzen außerordentliches medizinisches Knowhow mit Zukunftstechnik?

Dr. Robert Bodlaj: Eine wesentliche Erhöhung der Operationsqualität kann durch den Einsatz eines kopfgetragenen Mikroskops erzielt werden. Bei sämtlichen Eingriffen wie plastischer Korrektur der Nasenscheidewand oder schlafmedizinischen Eingriffen gibt uns diese Technik mehr Möglichkeiten. Sie müssen sich den Unterschied unserer Behandlungsspielräume zu herkömmlichen Methoden wie einen bildlichen Vergleich zwischen Knochensäge und Laserskalpell vorstellen. Derzeit gibt es nur drei Systeme in der HNO-Medizin in Deutschland, die so präzise operieren können. Durch den Einsatz von Shaver-Systemen und Radiofrequenz-Generatoren konnte die Gefahr von Nachblutungen auf ein absolutes Mindestmaß reduziert werden. Ich bin kein grenzenloser Technik-Freak, aber natürlich ergänzen wir unsere Behandlungsmethoden mit den neuesten und sichersten Errungenschaften der Apparatemedizin.

SACHSEN DEPESCHE: Und da ist es klar, dass Patienten, die privat BMW oder Mercedes fahren, auch bei einer Operation im Kopfbereich auf Premiumqualität setzen.

Dr. Robert Bodlaj: Wobei ich persönlich Audi fahre. Vorsprung durch Technik sozusagen. Sie gestatten den Einwurf dieses Vergleichs.

SACHSEN DEPESCHE: Sie gelten als Koryphäe bei der Behandlung des sogenannten Empty-Nose-Syndroms (ENS). Das „Leere-Nase-Syndrom“ ist eine Krankheit, die nach operativer Entfernung oder Verkleinerung der Nasenmuschel auftreten kann. Kommen hierPatienten zu Ihnen, die an Nebenfolgen einer Schönheits-OP leiden?

Dr. Robert Bodlaj: Das leider auch. Zur Behandlung des Empty-Nose-Syndroms gibt es die einzigartige Diagnosemöglichkeit mit dem Rhino-Sys-System in Kombination mit 3D-DVT und dem „Cotton Test“.

SACHSEN DEPESCHE: Neben Dr. Steven Houser aus Cleveland/Ohio gelten Sie als weltweit bester Facharzt auf diesem Behandlungsgebiet. Greifen Sie auch hier wieder auf moderne Technik zurück? Viele Ihrer Kollegen schwören ja auf Methoden alternativer Heilkunde oder chinesischer Medizin. Wie behandeln Sie den Patienten?

Dr. Robert Bodlaj: Hochkomplexe Technik ist die Zukunft der Medizin und der Heilungsmöglichkeiten. Durch den Einsatz modernster Implantate wie Strattice oder Cook Biodesign können die Nöte der Erkrankten sicherlich besser geheilt werden als durch empathischen Hokuspokus. Jeder Patient möchte schlussendlich geheilt werden und nicht nur ein trügerisches Gefühl von Heilung erleben.

SACHSEN DEPESCHE: Aber auch das exzessive Schnarchen und die Obstruktive Schlafapnoe behandeln Sie bemerkenswert erfolgreich. Versetzen Sie auch hier Ihre Patienten mehr in die Krankenstation von Raumschiff Enterprise als in die Praxis eines traditionellen Medicus?

Dr. Robert Bodlaj: Zur Behandlung von Schnarchen und Obstruktiver Schlafapnoe greifen wir auf ein breites Behandlungsspektrum zurück: Zungenschrittmacher, ReVENT Silikon-Implantate für den Zungengrund oder Coblation Midline Glossektomie können helfen. Und natürlich ist modernste Technik beispielsweise bei einer Zungengrundtonsillen-Abtragung unverzichtbar. Wir haben da europaweit die größte Erfahrung und Anzahl an Eingriffen. Wir kooperieren bei der Behandlung auch mit dem Schlaflabor Bamberg, mit den HNO-Unikliniken in Gießen, Mannheim und München Rechts der Isar.

SACHSEN DEPESCHE: Abschließend noch die Frage, wie Sie sich bei Ihrer Behandlung speziell auf Kinder einstellen?

Dr. Robert Bodlaj: Die Behandlung der kindlichen Schlafapnoe erfordert spezielles Screening-Gerät für Kinder. Neuartige OP-Verfahren, die meines Wissens bislang lediglich von uns angewendet werden, ermöglichen einzigartige Heilungsmöglichkeiten. Es handelt sich dabei um eine Entfernung der Adeonide (kindliche „Polypen“) mit dem Coblation-Plasmafeldverfahren. Hierbei wird über die Nase mit einer sehr dünnen Kinder-Optik (Durchmesser nur 2,7-mm- anstatt der bei Erwachsenen üblichen 4-mm-Optik) das OP-Feld unter Sicht behandelt, während die Sonde über den Mund eingeführt wird. Beim herkömmlichen Verfahren wurden die Polypen mit einem gebogenen Ringmesser ohne Sicht (!) und nur „nach Gefühl“ buchstäblich rausgerissen. Der Vorteil der modernsten Technik für die kleinen Patienten liegt neben den geringeren Schmerzen und einem extrem geringen Nachblutungsrisiko (bei uns bislang noch keine einzige Nachblutung!) vor allem darin, dass wir nie wieder Rezidive operieren mussten und die Kinder keine Paukenröhrchen mehr benötigen! Alleine das ist eigentlich schon eine kleine Sensation, wenn man bedenkt, wie oft die Kinder ansonsten nachoperiert werden müssen.

SACHSEN DEPESCHE: Herr Dr. Bodlaj, wir bedanken uns für das Gespräch.


Zur Person: Dr. Robert Bodlaj (Jahrgang 1968) absolvierte nach dem Abitur ein Studium der Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, das er 1995 mit Staatsexamen abschloss. Danach ging er zu Studienzwecken in die USA und nach Australien, um anschließend seine Approbation zu erlangen und sich zum Facharzt für Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde ausbilden zu lassen, zunächst am Klinikum Großhadern in München, dann als Assistenz- und Facharzt an der HNO-Klinik und Poliklinik des Klinikums der Universität Regensburg. 2001 folgte die Promotion am Institut für Chirurgische Forschung in München, zwei Jahre später absolvierte er erfolgreich seine Facharzt-Prüfung. 2004 übernahm er eine HNO-Praxis in Lichtenfels (Oberfranken) und baute sie kontinuierlich zu einem Zentrum für interventionelle Schlafmedizin und Schnarchtherapie aus. Im Jahr 2008 folgte die Erweiterung der Praxisräume um ein hochmodernes Allergielabor und ein Jahr später der Einbau des derzeit modernsten hochauflösenden und strahlungsarmen Digitalen Volumentomographen Morita Accuitomo 170 (DVT).

Neben seiner Behandlungstätigkeit forscht Dr. Bodlaj auf verschiedenen Fachgebieten. Bei Patienten mit Schlafapnoe und Schnarchen arbeitet er mittels modernster Videotechnik und Frequenzanalyse, um Engstellen lokalisieren und den Ursprung des Schnarch-Geräusches finden zu können. Führend ist er zudem bei der Entwicklung neuer OP-Verfahren wie der durch ein Leica-Kopfmikroskop unterstützten Coblation-Zungengrundmandel-Abtragung oder der Hyoidpharyngoplastik.

Darüber hinaus engagiert sich Dr. Bodlaj auch in der Verbandsarbeit und ist unter anderem Mitglied im Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. (ÄDA), der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) und der Empty Nose Syndrome International Association (ENSIA). Außerdem sitzt er im Vorstand der Arbeitsgruppe Schlafmedizin der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNOKHC), dem Berufsverband der deutschen HNO-Ärzte.

Letzte Änderung am Donnerstag, 24 November 2016 20:08
Artikel bewerten
(6 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten